Entführung in die fantastische Welt des Peter Pan

Die „English Drama Group“ der Realschule Weilheim spielt im voll besetzten Stadttheater „Peter Pan“

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Peter Pan, der zusammen mit der temperamentvollen Fee Tinkerbell und einer Gruppe von „Lost Kids“ in Neverland wohnt, wo sie für immer Kinder sein dürfen?

Bei Familie Darling in London geht es fröhlich zu: Als die drei Kinder Wendy, John und Michael (authentisch gespielt von Olivia Gründler, Miles Höck und Maximilian Haunstetter) alleine zuhause sind, bekommen sie unerwarteten Besuch von drei fantastischen Gestalten, die durch das offene Fenster hereinfliegen. Es handelt sich um Peter Pan (in überzeugender Rolle Anouk Amégnran), seinen Schatten (Jessica Palmer) und Tinkerbell (Marlene Schwarz).

Mit inzwischen gewohnter Professionalität entführte die English Drama Group der Realschule Weilheim die Zuschauer im dreimal ausverkauften Stadttheater auf eine spannende und lustige Abenteuerreise. Gekonnt inszenierte Leiterin Sabine Junkers-Haunstetter ihre mittlerweile zehnte Eigenproduktion in schülergerechter Weise sehr gut verständlich in englischer Sprache und lockte damit nicht nur Angehörige der Schulfamilie, sondern auch viele weitere Theaterbegeisterte an. Schnell zieht die Geschichte die Zuschauer in ihren Bann, als die Darling-Kinder von Peter Pan - trotz Behütung durch den Hund Nana (Cornelia Martin) - durch die Lüfte nach Neverland mitgenommen werden, wo sie die sogenannten „verlorenen Kinder“, die ohne Mutter aufwachsen, kennen lernen. Die verantwortungsvolle Älteste, Wendy, wird schon bald von Peters Freunden als ihre neue Mutter betrachtet. Bravourös geht Olivia Gründler in dieser umsichtigen und liebevollen Rolle auf.

Doch auch in Neverland entpuppt sich das Leben nicht nur als märchenhaft, vielmehr lauern Gefahren durch Captain Hook mit seinen furchteinflößenden Piraten, alle zusammen eine düstere Truppe. Gleich befreit Peter Pan die Tochter des Indianerhäuptlings, Tiger Lily (Jessica Schulze), durch eine List aus den Händen der beiden schusseligen Piraten Starkey und Smee. Herrlich dümmlich in der Darstellung belustigen Judith Knöthig und Tristan Waschkowitz als solche das Publikum. Der Friede währt nicht lange, die ganze Schar der verlorenen Kinder gerät in die Gewalt der Piraten. Als Captain Hook (verrückt-lässig wie Jack Sparrow von Vincent Erat gespielt) den Befehl gibt, alle über Bord zu werfen, ist den Kindern die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Hier überzeugen schon die Jüngsten der Drama Group durch ihre schauspielerische Leistung. Erneut tritt Peter Pan als Retter auf. Doch letztendlich überwiegt die Sehnsucht der Darling-Kinder nach bestandenem Abenteuer in ihr Zuhause nach London zurückzukehren. Mittlerweile versinken dort die Eltern (Romana Baresic und Elena Kölbl) in große Trauer.

Kurzerhand folgen die „Lost Kids“ den Londoner Kindern und überrumpeln die nun von ihrem Schmerz befreiten Eltern mit dem Wunsch hierbleiben zu dürfen. Nur Peter Pan wird mit seinem Schatten und Tinkerbell neuen Abenteuern in Neverland entgegenfliegen.

Beeindruckend in der Gesamtinszenierung waren nicht nur die schauspielerischen Leistungen – hervorzuheben ist hier noch der äußerst anmutige, feengleiche Auftritt der Tinkerbell – auch die für Abwechslung sorgenden musikalischen und tänzerischen Einlagen ließen die Zuschauer gebannt dem Stück folgen: Der klare Gesang von Lola Avenarius, Romana Baresic´ melancholisches Klavierspiel und die zum Leben erwachten tanzenden Puppen und Zinnsoldaten.

Kein noch so gutes Theaterstück erreicht seine Zuschauer mit bloßer Schauspielkunst. Neben Kostümen und Requisiten sind Ton-, Licht- und Bühnentechnik und Kulissen von enormer Bedeutung, alles profigleich umgesetzt von Schülerinnen und Schülern der Realschule Weilheim.

Und so überrascht es schließlich nicht, dass das Publikum in allen drei Vorstellungen die gesamte Inszenierung in englischer Sprache mit ihren 42 Beteiligten, besonders aber alle Darsteller mit lang anhaltendem Applaus feierte.